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Umgeknickt - Was wir in der Physiotherapie tun können

Umgeknickt? Schmerzen am Sprunggelenk © Sentello/fotolia.com

Umgeknickt – was tun?

Es ist wahrscheinlich schon vielen von uns passiert: Der Fuß knickt um. Das ist schmerzhaft, denn hierbei wird der sogenannte Kapsel-Band-Apparat des Sprunggelenks verletzt. Das Umknicken ist mit 25 % eine der häufigsten Verletzungen am muskuloskeletalen System. 50 % dieser Verletzungen passieren beim Sport. (van den Bekerom et al. 2013)

Bänderriss durch Umknicken

Wird beim Umknicken die Belastbarkeitsgrenze des Bindegewebes um das Sprunggelenk überschritten, reißt das Gewebe ein oder durch (Bandruptur). Dieser Riss wird bei der Wundheilung durch eine Narbe ersetzt. Die Wundheilung wird in drei Phasen unterteilt:

Erste Heilungsphase: Ruhigstellen

In der ersten Heilungsphase tritt eine Entzündungsreaktion auf. Der Knöchel wird blau, schwillt an und wird warm. Das Auftreten mit dem Fuß tut weh und der ganze Bereich um das Gelenk ist druckempfindlich. Diese Reaktion ist normal und begünstigt den Heilungsprozess. In dieser Phase sollte der Knöchel ruhiggestellt und Dehnreize vermieden werden. Eine sanfte Lymphdrainage kann helfen, den Bereich um den Knöchel zu entstauen.

Zweite Heilungsphase: Leichte Bewegung

In der zweiten Heilungsphase wuchert das Gewebe (also die Narbe) richtungslos. Daher sollte das Gelenk jetzt ohne große Belastung oder Dehnung bewegt werden, damit die entstehende Narbe Informationen über ihre Belastungsrichtung erhält.

Dritte Heilungsphase: Belastung

In der dritten Phase braucht das Gewebe Bewegung und Belastung, die fast den normalen Bewegungsumfang erreicht. Als Physiotherapeuten sprechen wir dann von endgradiger Bewegung und Belastung. Wir unterstützen damit das Gewebe bei der Neuorganisierung und Ausrichtung zur vollen Belastbarkeit. Übungen für das Gleichgewicht und ein Beinachsentraining helfen die Reaktionsfähigkeit und Koordination der stabilisierenden Muskelgruppen zu verbessern. Gezielte Mobilisationsübungen fördern die volle Beweglichkeit des Gelenks.

Wie lange dauert der Heilungsprozess nach dem Umknicken?

Bei schweren Verletzungen am Kapsel-Band-Apparat kann es bis zu einem Jahr dauern, bis die letzte Phase vollständig abgeschlossen ist. Bei weniger schweren Verletzungen ist eine rasche Symptomfreiheit zu erwarten. Der zeitliche Verlauf  und das therapeutische Vorgehen hängen somit von dem Ausmaß der Verletzung ab. Um die Verletzung optimal ausheilen zu lassen, ist es entscheidend, die Belastung des Sprunggelenks an die verschiedenen Heilungsphasen anzupassen.

Instabilität des Sprunggelenks

Bei zu früher Belastung und Bewegung kann das Sprunggelenk instabil werden, chronisch schmerzen, immer wieder anschwellen oder zum erneuten umknicken neigen. Bei zu später oder auch zu wenig Belastung und Bewegung bildet sich zwar ein Narbengewebe, allerdings ist seine Struktur nicht auf die Funktion des Sprunggelenks angepasst. Dadurch kann es schon bei geringer Belastung geschädigt werden, was wiederum zu einem chronisch instabilen Gelenk führen kann. (Hüter-Becker 2005)

Fazit: Selbst bei schwereren Sprunggelenksverletzungen braucht man nicht verzweifeln. Bei richtigem Verhalten während der Heilungsphasen darf man in der Regel mit Beschwerdefreiheit rechnen.

 

 

Quellennachweise:

Hüter-Becker, Antje/ Dölken, Mechthild, Biomechanik, Bewegungslehre, Leistungsphysiologie, Trainingslehere; 2005,  S.75-77

Van den Bekerom MP et al., Management of acute lateral ankle ligament injury in the athlete, 2013