Neue Gerätestrecke zur Funktionsanalyse
3. September 2016

Schmerzen kennen wir alle. Sobald man sie hat, möchte man sie am liebsten loswerden. Das ist verständlich, denn Schmerzen sind unangenehm. Aber gerade wegen dieses unangenehmen Gefühls sind Schmerzen ein effektiver und wichtiger Teil unseres Lebens. Denn zunächst fungiert der Schmerz als eine Art körpereigenes Alarmsystem. Darüber hinaus gibt es jedoch noch eine Vielzahl an weiteren Gründen Schmerz zu empfinden und ebenso viele Einflussfaktoren.

Schmerzsensoren – Ihre Reporter vor Ort

Schmerzreize werden von Millionen, im Körper verteilten, Sensoren aufgenommen. Dabei kann man sich diese Sensoren am besten als »Reporter« vorstellen, die in ihrem jeweiligen Gebiet ständig auf Vorkommnisse achten. Sie sitzen in den Wänden und an den Enden von Neuronen, die die Fähigkeit haben Informationen Richtung Rückenmark zu übermitteln. Wie im echten Leben haben diese Reporter ihre eigenen Spezialisierungen. So gibt es welche unter ihnen, die nur auf mechanische Kräfte, wie Kneifen und Druck reagieren und welche die auf Temperaturunterschiede, d.h. heiß und kalt anspringen. Andere reagieren auf chemische Veränderungen, die entweder von außen (z.B. Allergiestoffe) oder vom inneren des Körpers (z.B. transportierte Substanzen wie Milchsäure) auf sie eintreffen. Dieses Einströmen löst einen elektrischen Impuls in den entsprechenden Neuronen aus und dieser wird in unterschiedlichen Geschwindigkeiten zum Gehirn übermittelt oder auf Rückenmarksebene sofort als Reflex verschaltet.

Schmerzreize auswerten

Wie man sich vorstellen kann, treffen unglaublich viele verschiedene Informationen, also nicht nur Schmerzreize, auf das Gehirn ein. Die knifflige Aufgabe des Gehirns besteht also darin, auf der Basis all der ankommenden Informationen ein möglichst vernünftiges Szenario für den gesamten Organismus zusammenzubasteln. Hierfür lässt es z.B. eine Vielzahl an Informationen erst gar nicht zum Bewusstsein vordringen und reagiert sozusagen unbewusst mit entsprechenden Verschaltungen.

Schmerzerfahrung in der Hirnforschung

Mitteilungen die im Gehirn ankommen, bleiben also nicht einfach dort. Als Teil des Prozesses, bei dem das Gehirn seine Innenwelt analysiert, beurteilt und bewertet es die eigenen Meldungen und reagiert darauf. Schmerzen könnte man also als eine mögliche der vom Gehirn formulierten Reaktionsantworten auf ankommende Informationen sehen. Von der aktuellen Hirnforschung wissen wir, dass bei einer Schmerzerfahrung viele Teile des Gehirns gleichzeitig aktiviert werden, die sich als konstante Aktivierungsmuster darstellen und u.a. ein bestimmtes Verhalten provozieren. Interessanter Weise sind bei ein und demselben Schmerzreiz die genauen Hirnareale und die Stärke der Aktivierung sowohl von Person zu Person, als auch bei derselben Person zu verschiedenen Gelegenheiten unterschiedlich. Die Schmerzen »leihen« sich sozusagen diese Zentren nur aus, um sich von dort aus im Körper darzustellen. Bei chronischen Schmerzen werden einige dieser Hirnareale von der Schmerzerfahrung »versklavt« und es entsteht eine Art »Sucht nach Schmerzen«.

„Schmerzen verstehen“ von D. Butler und L. Moseley, Springer Medizin Verlag, 2003